Seit einem guten Monat bin ich jetzt ja stolzer Besitzer eines iPhone 3G und da wird es ja mal Zeit für einen Erfahrungsbericht. Insbesondere wo es hier auf dem Blog ja momentan ohnehin ein wenig ruhig ist.
Wie bei Apple-Produkten üblich so kommt auch das iPhone in einer schicken Verpackung. Das Auge packt ja schliesslich mit aus. Vorsichtig wird das gute Stück erstmal von allen Seiten begutachtet und man kommt nicht umhin zu sagen “chic chic”.

Allerdings schon während dieser ersten Betrachtung formt sich lautlos eine Frage im Gehirn: Wie zum Geier setze ich hier die SIM-Karte ein? Und auch das ist typisch Apple: Wo bei jedem anderen Handy eine Kurzanleitung zum Einsetzen der SIM-Karte dabei liegt findet sich in der gesamten iPhone-Dokumentation nicht ein Wort darüber. Aber na gut, das iPhone ist natürlich auch nicht “jedes andere Handy” und Google ist wie immer Dein Freund. Allerdings selbst in diesem dunklen Kapitel strahlt das helle Apfel-Licht *lach*, denn die Verpackung der Anleitung ziert eine kleine Metallnadel und genau diese kann genutzt werden, um den SIM-Einschub zu entriegeln (und keine schnöde Büroklammer wie so oft genannt). Das ist in der Tat brillant und irgendwie um so mehr, da das nirgendwo steht :).
Als nächster Schritt kommt die Aktivierung und Einrichtung des iPhones via iTunes. Als glücklicher Besitzer eines IPod Classic bin ich dieses Procedere ja bereits gewohnt und habe auch den nötigen iTunes-Account. Ein Kollege dessen Frau kürzlich einen iPod gewonnen hat, hat sich über diese “Zwangsmassnahme” allerdings bitterlich beklagt. Aber es ist recht einfach: Kein iTunes kein iPhone, ausser man begibt sich in die Grauzone irgendwelcher “Hacks” und hat auch entsprechend viel Zeit und Energie über dafür. Ich finde iTunes nicht schlecht, also soweit alles im grünen Bereich.
Und dann das erste Entriegeln: Mit einer – mittlerweile in Fleisch unt Blut übergegangenen – Bewegung von links nach rechts mit dem Daumen wird das iPhone entriegelt. Danach lacht einen die von vielen Fotos bekannte iPhone-Oberfläche an. Im unteren Bereich des Bildschirms werden vier Programme (von nun an nur noch stilecht Apps genannt) permanent angezeigt, während die restlichen Apps (4×4 = 16) bildschirmweise von links nach rechts durchgeblättert werden können. Alle Apps können beliebig neu angeordnet werden. Hierzu muss lediglich längere Zeit das Icon einer beliebigen App gedrückt gehalten werden. Nach kurzer Zeit fangen alle Icons an zu “vibrieren” und diese können nun beliebig duch die Gegend geschoben werden. Aus dem App-Store geladene Apps können in diesem Modus auch gelöscht werden. Vorinstallierte Apps lassen sich jedoch nicht löschen. Durch Drücken der Home-Taste wird dieser Modus wieder deaktiviert.
Eine App startet durch einfachen Druck auf das entsprechende Icon. Durch Drücken der Home-Taste wird die App wieder beendet. Das iPhone hat kein echtes Multitasking, sondern es läuft immer nur die aktuelle App. Lediglich Systemfunktionen – z.B. das Annehmen eines Anrufs – laufen parallel. Die meisten Apps speichern beim Beenden jedoch ihren Status und starten so wieder an derselben Stelle wo diese beendet wurde. Das erweckt zumindest den Eindruck einer parallelen Ausführung.
Per default sind die apple-typischen Apps installiert, allen voran natürlich iPod, iTunes, Safari und der App Store. Aber es gibt auch weitere Apps wie Karten (im Prinzip Google Maps), Kamera, Kalendar, Kontakte und Mail. Ach ja, dank der Telefon-App kann man mit dem iPhone auch telefonieren, aber das ist zugegebenermassen nicht die primäre Funktion des iPhones. Bei der SMS-Funktion punktet das iPhone allerdings mit der guten Idee SMS als Konversationen zu speichern und somit ist die SMS-Inbox nicht total zugemüllt, sondern es finden sich dort nur die Verweise auf die Konversationen mit verschiedenen Kontaktpartnern. Nett ist auch die Funktion Telefonnummern in einer SMS als Link darzustellen, so dass diese durch einfaches Anklicken direkt angewählt werden kann.
Die Bedienung des iPhones über Gesten zum Blättern, Vergrössern, Verkleinern, etc. geht schon nach kurzer Zeit in Fleisch und Blut über. Und es macht einfach Spass! Ich ertappe mich immer mal wieder dabei Apps zu starten, ein wenig rumzuscrollen und dann wieder zu schliessen, ohne wirklich viel mit der Applikation (wollte doch mal wieder was anderes als App schreiben) gemacht zu haben. Und damit kommen wir zum Kernstück des iPhones: Dem App Store. Hier lassen sich auf einfachste Weise zusätzliche Apps aufs iPhone herunterzuladen. Das funktioniert perfekt und es gibt eine Menge Perlen, die sogar kostenlos sind und dann gibt es noch die Masse an Apps, die ein paar Cent bis drei Euro kostet. Nur wenige Apps kosten sieben Euro oder mehr. Zum Herunterladen einer App muss das Passwort für den iTunes-Account angegeben werden und schon installiert sich die App auf dem iPhone. Das Angebot ist riesig und es kostet schon einige Zeit die echten Perlen zu finden. Ach ja, habe ich schon erwähnt, dass ich noch eine kleine Serie hier an dieser Stelle (= diesem Blog) plane, in der ich die besten Apps vorstellen werde :-)?!
Was bleibt noch: Synchronisation mit iTunes läuft problemlos und Apps, Bilder und Musik werden in beide Richtungen gesynced. Aber auch hier kann man – leider auch apple-typisch – nach wie vor nur mit einem Rechner synchronisieren. Bei Mail habe ich den Exchange-Server der Firma eingebunden, was schnell konfiguriert war und absolut zuverlässig funktioniert. Überhaupt kommt hier die nächste grosse Stärke des iPhones zum tragen: Man ist immer Online. Und man gewöhnt sich verdammt schnell daran. Mal eben ein Blick ins Internet, mal eben einen News-Reader starten, mal eben Twittern. Die Liste lässt sich endlos fortführen, denn dank der genialen Bedienung klappt dies alles auch trotz des – im Vergleich zu einem Netbook – sehr kleinen Bildschirms. Für ein Telefon ist der Bildschirm dafür recht gross :).
Es ist spät und ich muss hier zu einem Ende kommen. Für mich persönlich ist das iPhone ein geniales Stück Technik und ich möchte es absolut nicht mehr missen und an dieser Stelle auch nochmal ein dankeschön in Richtung Firma werfen, die mir das iPhone als Firmenhandy genehmigt hat :). Auch wenn man sich hier insbesondere aufgrund der kurzen Akkulaufzeit schonmal anhören muss nur ein “Spielzeug-Telefon” zu haben. Ein nicht ganz unbegründeter Kritikpunkt, denn der Akku ist bei mir im Schnitt nach 48 Stunden leer, was für ein Handy kein gerade berauschender Wert ist. Aber drauf geschissen :), das tut der Freude keinen Abbruch. Ach ja, morgen kommt die 3.0er Version vom iPhone OS heraus. Und hier zeigt sich Apple dann zu guter Letzt wieder von seiner besten Seite, denn wie auch bei den Macs bringen die Software-Updates echte neue Funktionen aufs iPhone und das in einem Umfang wie es meines Wissens nach bei keinem anderen Handy geschieht (falls man dort überhaupt jemals updated).
Die Postings über die Apps kommen, versprochen, aber jetzt ruft erstmal das Bett und zwar schon ziemlich laut … gute Nacht und vermutlich werfe ich gleich nochmal fix Twitterific. Natürlich auf dem iPhone … :)